Unsere Geschichte

Zur Geschichte der katholischen Gemeinde in Welzheim

  1. Vom Werden der katholischen Kirchengemeinde

Die Einweihung der katholischen Kirche in Welzheim durch Seine Exzellenz, dem Hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht, gibt Veranlassung, auch von dem Werdegang der katholischen Kirchengemeinde in Welzheim zu berichten.

Die Katholiken der Gemeinde Welzheim waren anfangs der Stadtpfarrverweserei in Spraitbach, dann der Stadtpfarrverweserei Schorndorf zugeteilt.

Von 1890 an wurde zwanzigmal im Jahre Religionsunterricht erteilt.

1897 wurde auf Veranlassung eines kath. Amtsrichters durch den damaligen Pfarrer Nagel von Spraitbach ein Lokal für den kath. Gottesdienst gemietet. Dieses Lokal befand sich bei einer Familie Pfaud (heute August Groß). In diesem Hause war 60 Jahre lang der Betsaal der kath. Kirchengemeinde. Am Tag des Hl. Stephanus (26.12.1897) wurde hier die erste Hl. Messe nach der Reformation gefeiert. Den Kelch stiftete das Bischöfliche Ordinariat.

Im Jahre 1909 wurde in Schorndorf die Stadtpfarrverweserei unter Stadtpfarrverweser Miller gebildet. Die Gemeinde Welzheim stand von nun ab unter der Betreuung von Schorndorf.

Der Pfarrausschuß bestand aus Stadtpfarrverweser Miller aus Schorndorf als Vorsitzendem, aus Pächter Michael Waldenmaier aus Plüderwiesenhof als Kirchenpfleger und dem Amtsboten Koch aus Welzheim als Beisitzer.

Die Wahl erfolgte im Oktober 1913.

Als Pfarrer waren in Welzheim von Schorndorf aus tätig:

Stadtpfarrverweser: Johann Miller von 1909 bis 1913 Stadtpfarrverweser: Engelbert Wolpert von 1913 - 1917 Stadtpfarrer: Georg Maag von 1917 - 1925 Stadtpfarrer: Julius Matt von 1925 - 1936

Stadtpfarrer: Georg Kramer von 1936 - 1955 Stadtpfarrer: Anton Schönherr ab 1955 bis heute

Von 1940 - 1946 war außerdem Vikar Theodor Streble aus Lorch als Stellvertreter für Pfarrer Kramer in Welzheim tätig.

Heimatlosenseelsorger:

Edmund-Alfred Schuhmacher, O.-Cist., (Ordensgeistlicher) von 1946 - 1952 Stadtpfarrer Herbert Burkert ab 1952.

Als Kirchenpfleger waren tätig:

Michael Waldenmaier aus Plüderwiesenhof Karl Stetter, Obersekretär in Welzheim

N. Bopp, Postmeister in Welzheim Konrad Maier, Goldschmied in Welzheim

Franz Schmied, Zollobersekretär in Welzheim Franz Schmitz, Textilingenieur in Welzheim.

Mit Erlaß des Ordinariats wurde der zweite Monatsgottesdienst in Welzheim eingeführt; denn bis 1935 war nur einmal im Monat kath. Gottesdienst. Dies war auf Wunsch der kath. Kurgäste erfolgt.

Durch die tatkräftige Mithilfe eines guten Katholiken namens Blassa und des Kreisbaumeisters Birkle konnte in Welzheim ein Bauplatz für eine Kirche erworben werden. Die Mittel hierzu stellte der Bonifatiusverein zur Verfügung.

Im Jahre 1937 wurde der Plan zur Erstellung einer Kirche in Welzheim ausgearbeitet.

Der im Jahre 1936 erworbene Bauplatz mußte leider im Jahre 1939 für Siedlungszwecke wieder verkauft werden. Die Gemeinde erwarb aber von der Stadt den jetzigen Bauplatz. Hierbei setzte sich der damalige Bürgermeister Rilling tatkräftig für die Beschaffung dieses Bauplatzes ein.

1941 wurde in Welzheim der sonntägliche Gottesdienst eingeführt und 1943 erfolgte die Weihe der Kirchengemeinde Welzheim an die Gottesmutter.

1945 wurde der kath. Gottesdienst bei den deutschen Gefangenen in Welzheim eingerichtet.

1946 kamen Tausende von Heimatvertriebenen in das Gebiet der Kirchengemeinde, die zum überwiegenden Teil Katholiken waren und die Gemeinde vor neue Aufgaben stellten.

Zuerst wurde, da der Betsaal für die stark angewachsene Gemeinde zu klein war, der Sonntagsgottesdienst in der Volksschule gehalten. Später konnte der Gottesdienst durch das Entgegenkommen der evang. Gemeinde in der evang. Kirche gehalten werden. Der Werktagsgottesdienst aber wurde weiter im Betsaal gehalten.

Es zeigte sich auch bald die Notwendigkeit, in dem benachbarten Kaisersbach einen eigenen Sonntagsgottesdienst zu halten.

Der Religionsunterricht wurde jetzt an allen Schulen des Bezirkes regelmäßig durchgeführt. Hierzu erfolgte die Berufung von Fräulein Roswitha Rudolph aus Schwäb. Gmünd als Laienkatechetin. Fräulein Rudolph schied infolge Krankheit aus dem Dienst aus; an ihre Stelle kam der Laienkatechet Josef Hiennig.

1949 weilte zum erstenmal Seine Exzellenz der Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Carl Leiprecht in Welzheim; er spendete in der evang. Kirche das Hl. Sakrament der Firmung.

Im Oktober 1952 wurde Herr Pfarrer Herbert Burkert, bischöfl. Notar und Wehrmachtsoberpfarrer a. D., Seelsorger in Welzheim.

Die aus ganz Europa zusammengewürfelte Gemeinde fügte sich nach und nach zu einer festen kath.

Gemeinschaft zusammen. Somit trat auch die dringende Frage des Baues einer kath. Kirche in Welzheim an die Gemeindeglieder heran.

Im Sommer 1956 war der Bau der kath. Kirche soweit fertiggestellt, daß der Gottesdienst mit Notbehelfen darin stattfinden konnte. Es fehlte noch am Fußbodenbelag, am Altar, an Bänken und an der Beleuchtung. Auch die evang. Kirche, die freundliche Gastgeberin, stand vor den Renovierungsarbeiten. An dieser Stelle der evang. Kirchengemeinde für die Gastfreundschaft ein herzliches Vergelts Gott!

Vom August 1956 an war der Gottesdienst an Sonntagen bereits im neuen Gotteshaus. Der Wochentagsgottesdienst wurde erst im Februar 1957 vom Betsaal in die neue Kirche verlegt. Der Familie Groß sei auch hier für ihre Gastfreundschaft herzliches Vergelts Gott gesagt.

  1. Vom Bau der Kath. Kirche

Dem steten Bemühen des Hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer Herbert Burkert ist der endliche Beginn des Kirchenbaues zu danken. Unterstützung fand er vom Kirchenstiftungsrat, vom Kirchenbauausschuß und auch vom Pfarrausschuß und nicht zuletzt auch vor der Gesamtheit der Kirchengemeinde.

Am 16. März 1955 wurde der Grund-Platz -zum Kirchenbau benediziert- gesegnet.

Den Plan zur Kirche entwarfen Herr Stadtpfarrer Burkert und Baumeister-Architekt Helmut Basten aus Tübingen, ein geborener Rheinländer.

Im April 1955 begann die Baufirma Müller-Altvater & Co. aus Stuttgart mit den Bauarbeiten. Am 22. Mai 1955 war die feierliche Grundsteinlegung.

Statiker: Eugen Zuth aus Freudenstadt und die Technische Hochschule führten die sehr schwierigen Berechnungen der Statik durch; denn das Grundstück war vormals ein Gerbersee und aufgeführtes Schuttland, daher sehr schwer zu ermitteln.

Durch Hinausschiebung der Statik und der damit verbundenen Baugenehmigung der Kreisbaumeisterschaft trat eine Bauverzögerung ein. Die endliche Genehmigung zum Bau wurde im Juli 1955 erteilt.

Daß der Bau anfangs langsam vonstatten ging, lag im Mangel an Arbeitskräften, besonders an Maurern, die Natursteine verarbeiten konnten.

Das Baumaterial - Bausteine - stammt aus dem in der Nähe von Welzheim gelegenen Steinbruch Mettelberg der Firma Dölker aus Oberurbach.

Bevor mit dem Bau begonnen wurde, fanden in den gemeinsamen Sitzungen (Kirchenstiftungsrat, Bau- und Pfarrausschuß) Beratungen über das Äußere - Stil - statt. Ein Modell, nach dem das eigentliche Werk geschaffen werden sollte, gab der gesamten Kirchengemeinde ein Bild der Kirche. Das Ungewohnte des Baustils - Kirche und getrennter Turm - ergab geteilte Kritiken, die aber fruchtbar und ergebnisvoll verliefen. In diesen Sitzungen war natürlich auch die Finanzierung mit im Hauptgespräch.

Die Finanzierung sollte erfolgen:

  1. durch eigene - kleinste - Mittel
  2. durch monatliche Kollekte
  3. durch Sammlungen und Bettelpredigten
  4. durch großzügige Hilfe des Bischöflichen Ordinariats und
  5. durch Bausparverträge.

Auf Anregung des Seelsorgers wurde im Einvernehmen mit dem Kirchenstiftungsrat die Kirchenbauvereinigung gebildet, Vorsitzender war Stadtpfleger Herr Berthold Kling.

Vom Pfarramt wurden Einschätzungsvordrucke zur freiwilligen Selbsteinschätzung ausgegeben, nach welcher sich viele Gläubige zu einer bestimmten geldlichen Leistung - monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, ganzjährlich oder einmalig verpflichten konnten. Zahlreich waren die einzelnen Spenden, die immer wieder auf das Konto „Kirchen-Pfarrhausbau“ eingezahlt wurden.

Stadtpfarrer Burkert, der nimmermüde - Tag und Nacht - schaffende, geistige Motor berief den Hochschulprofessor Dr. Teichtweiher aus Kirchentellingsfurt nach Welzheim zu einer Werbepredigt für den Kirchenbau, der in sehr eindringlicher Weise bei den Gläubigen die Opferfreudigkeit für dieses hehre und notwendige Ziel weckte.

Nicht nur geistiger Voranschreiter war Stadtpfarrer Burkert, auch bei den Realleistungen setzte sich der Seelsorger an die Spitze vieler freiwilliger Mitarbeiter und schuf allein noch in später Nachtstunde weiter, oft war es 2 Uhr morgens, wenn er ermüdet zu kurzem Schlaf und in Sorgen zur Ruhe ging.

Acht Wochen lang halfen junge Menschen, auch Männer und Frauen, immer getreue Gehilfen bis spät in die Nacht, um den Bau des Pfarrhauses zu vollenden.

Schon im Sommer 1956 wurde mit einer Firma über Kirchenbänke verhandelt; das Angebot war sehr günstig, aber es fehlte leider selbst an dem Anzahlungsgeld. Aber der rührige niemals erlahmende Seelsorger erbat von der Stadtgemeinde leihweise Stühle und von der Löwenbrauerei in Schwäb. Hall leihweise Bänke, sodaß auch hier die Augenblicksnot für einige Zeit gelöst war. - Augenblicklich läuft für die Beschaffung der Kirchenbänke eine Sammlung „Laufendes Meter“. Viele Gläubige - Haushalte - haben schon dazu den Beitrag geleistet, mögen auch noch die anderen folgen und hier mithelfen zur Ausgestaltung des Gotteshauses! -

Ebenso gelang es dem Herrn Stadtpfarrer, von der Firma Gebrüder Bachert, Glockengießerei in Karlsruhe, eine Leihglocke zu erhalten. Dies geschah durch Vermittlung des Vertreters der Firma Bachert, Herrn General a.

D. Thumm. Die Leihglocke wurde bereits von Herrn Braden in Karlsruhe abgeholt; Familie Braden stiftete auch die Türen und die Tore der Kirche.

Familie Oertel und Dr. Neuhäuser stifteten der Kirche alle Leuchter, sowie Osterkerzenleuchter aus reinstem Kristallglas.

Der gesamte Bau war mit 360 000 DM veranschlagt. Die Kirchengemeinde ist gezwungen, innerhalb von sieben Jahren die Bausparverträge in der Höhe von 100 000 DM mit den übrigen Restschulden abzuzahlen.

Zur Tilgung der Schulden hat der Kirchenstiftungsrat folgenden Plan vorgesehen:

  1. Monatlich zwei Kollekten für den Kirchenbau
  2. Die Gründung eines Christkönigspfarrvereins mit einem monatlichen Mindestbeitrag von 1 DM.
  3. Veranstaltungen der Kirchengemeinde, deren Reinertrag für den Kirchenbau verwendet wird.

Für die letzten Ausgestaltungen und noch notwendigen Erfordernisse, wie Geläute, Beichtstühle u. a. erhofft die Kirchengemeinde warmherzige Stiftungen der politischen Gemeinden, edler Gönner und anderer großherziger Spender.

Der Jugendraum, der sich an der Südseite der Kirche befindet, wird eben von Maler Pohl, ein Landsmann aus der Heimatstadt des Seelsorgers, mit herrlicher Malerei ausgestattet und soll vor allem der kath. Jugend als freundlicher Tagungsraum dienen.

Noch obliegt der Kirchengemeinde auch die Anlage des Kirchplatzes. Der Plan hierzu wurde im Einvernehmen mit der Stadtgemeinde vom Architekten Valentin aus Stuttgart und Stadtgärtner Gauggel entworfen. Zur gegebenen Zeit werden die Gläubigen zur Selbsthilfe - Mitarbeit - gebeten werden.

Die noch geplanten Räume: Gemeindesaal und Kindergarten müssen leider bei der überspannten finanziellen Lage einer anderen Generation überlassen werden - oder nicht?! - schafft es vielleicht doch noch die jetzige Generation?!

Für die innere Ausgestaltung der Kirche war vom Seelsorger und dem Kirchenausschuß vorbildlich gedacht worden. Der Kunstmaler Herr Otto Eberle aus Schwäb. Gmünd malte das schöne und sinnvolle Altarbild und die Apostelbilder. Der Künstler hat diese Arbeiten so geschafft, als sei er selbst ein Kind der Kirchengemeinde Welzheim; denn er hat viele, viele Stunden umsonst gearbeitet. - Ja, es gäbe und gibt noch so viel, so viel zu bitten und aber auch zu danken und noch viel zu schaffen, um das große Gott gewidmete Werk zu vollenden. Doch es sollen für diesmal der Worte genug sein.

Abschließend nur noch:

Der Allmächtige Gott erleuchte und stärke alle lieben und guten Menschen und Mitglieder der kath. Kirchengemeinde in nah und fern zu opferfreudigem Spenden für die Christkönigskirche in Welzheim.

Der Allmächtige erhalte unseren Hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer Herbert Burkert recht gesund als unseren sehr verehrten Seelsorger. Es möge Ihm gegönnt sein, daß all sein vorbildliches geistiges und körperliches Schaffen am Werke einer baldigen allseits zufriedenen Vollendung entgegengeht; denn es sind unzählbare Stunden, die der Seelsorger am Gotteswerk arbeitete.

Und nun vor allem Seiner Exzellenz dem Hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht, dem Bischöflichen Ordinariat, dem Generalvikar Dr. Hagen für die hochherzige große Unterstützung und Hilfe und allen, allen, allen ohne Ausnahme, bekannt und unbekannt, genannt und ungenannt, welche durch Gebet oder Opfer, Spenden und Leistungen zum hehren Werke für Gott beitrugen, herzliches „Vergelts Gott“ - ihnen ist Gott selbst der höchste Dank!

Bitte gedenket aber auch weiterhin unserer Kirche - der Christkönigskirche mit opferfreudigen Spenden! So harrt nun die kath. Kirchengemeinde, die Gläubigen und das Gotteshaus der Weihe, die am 14. und 15.

September Seine Exzellenz der Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht vornehmen wird, um das Gotteshaus - die Christkönigskirche - seiner hehren, dem Allmächtigen geweihten Bestimmung zu übergeben.

„Christus vincit, regnat, imperat!“ („Christus siegt, regiert, herrscht!“)Leopold Klecker sen., Oberl. a. D.

Abschrift einer Zeitungsseite mit Datumsangabe: Donnerstag, den 12. September 1957. Verlag und Erscheinungsort ist nicht feststellbar. (J. Vogel 04/2005)

Glockenweihe